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Projektbeschreibung

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gefördert von der DFG 2005–2015

Teilprojekte

Märtyrer im religionskulturellen Vergleich

Projektphase 2005-2008

Während der ersten Projektphase wurden in vergleichender Perspektive Märtyrertraditionen in verschiedenen religionskulturellen Kontexten untersucht. Die komparatistische Herangehensweise knüpfte an ein Pilotprojekt an, das 2002–2004 am Wissenschaftskolleg zu Berlin durchgeführt wurde. Mit dem Ziel, hermetische Vorstellungen des Islam als einheitlicher Religion mit festen Dogmen aufzubrechen, stand die – historische und innerislamische – Ausdifferenzierung der vielgestaltigen Märtyrertraditionen in unterschiedlichen islamischen bzw. aus dem Islam hervorgehenden Traditionen im Zentrum. Diese Untersuchungsanordnung war darauf ausgerichtet, einerseits nach Grundmustern in der Geschichte und nach Ausdifferenzierungen von Märtyrerkonzepten zu fragen, andererseits spezifische, religionskulturelle Umbrüche und den Austausch zwischen verschiedenen Religionen zu beleuchten. Das Interesse galt somit spezifischen historischen Ausformungen von Märtyrerfigurationen: sowohl als Praxis und Selbstdefinition als auch als Konzept des kulturellen Gedächtnisses und historiographischer, poetischer und visueller Darstellungen. Der methodische Begriff der Figuration schloss dabei konkrete (historische, mythische oder fiktive) Gestalten mit ein, in denen sich spezifische Bedeutungen des Märtyrers und kulturelle Praktiken, Rhetoriken und Repräsentationsformen verkörpern oder versinnbildlichen, die zur Ausformung distinkter Märtyrervorstellungen beitragen.

Die Figur des Märtyrers erwies sich als eine Grenzfigur, die religiöse Traditionen zugleich voneinander trennt und miteinander verbindet. Sie wird in Verhandlungen konturiert, die in spezifischen historischen Konstellationen und kulturellen Kontexten ausgetragen werden, und ist daher auch innerhalb einer religiösen Tradition zahlreichen Veränderungen unterworfen. Die Vermittlungsleistung des Märtyrers kann aber nicht nur synchron zwischen den verschiedenen Religionskulturen beschrieben werden, sondern auch diachron als solche zwischen vermeintlich voneinander abgrenzbaren Epochen. Auf diese Weise wird der Märtyrer zu einer Figur, die auch Grenzziehungen zwischen Vormoderne und Moderne sowie zwischen ›religiösen‹ und ›säkularen‹ Gesellschaften überschreitet und in Frage stellt.

Teilprojekte:

Figurationen des Märtyrers in frühen sunnitischen Schriften (Silvia Horsch)
Die Figur des sunnitischen Schlachtfeldmärtyrers (schahid al-ma‘raka) des frühen Islams konturiert sich in einem gegenläufigen Prozess der Abgrenzung und Aneignung: Mit ihr wird zum einen eine im Vergleich zum (frühen) Christentum andere Praxis (Ertragen von Verfolgung und Folter gegenüber Einsatz im Kampf mit Todesfolge) mit dem gleichen Begriff (arab. schahid bezeichnet wie griech. martys zugleich den Zeugen und den Märtyrer) belegt und christliche Elemente sowohl abgewehrt als auch aufgenommen. Zum anderen werden die altarabischen Vorstellungen von Kampf und Tod transformiert und zugleich den neuen Konzepten Dschihad und Märtyrertum als Voraussetzung eingeschrieben. Die Texte zu Märtyrern aus unterschiedlichen historischen Konstellationen wie auch in verschiedenen Genres erweisen sich als Ort der Verhandlung zwischen der mythenfeindlichen Theologie des Korans einerseits und mythisierenden Narrativen andererseits.

Märtyrer in der Babi-Religion (Sasha Dehghani)
Da sich die Märtyrer der Babi-Episode durch ihre Kontinuität und Diskontinuität zum zwölferschiitischen Islam definieren lassen, kann auch in diesem Fall von einer Grenzfigur gesprochen werden. Die Babi-Märtyrer sterben mal völlig gewaltlos, mal in einem defensiven Kampf als Blutzeugen für ihren neuen Glauben, der die Paradoxität der schiitischen Messiaserwartung offen zu Tage treten lässt: der Messias als imamitischer Rekonstrukteur vs. der Messias als prophetischer Abrogator der Vergangenheit. Letztere Messiasdeutung manifestiert sich insbesondere ab der zweiten Hälfte der Wirkungszeit des Bab und führt im Iran zu einem religionspolitischen Skandalon, das schließlich in das kollektive Martyrium der Babi-Gemeinde mündet.

Der alevitischen Märtyrer der Moderne (Michael Heß)
Ebenfalls schiitisch beeinflusst ist die Glaubensgemeinschaft der Aleviten. Husain (gest. 680 n. Chr.), der Enkel des Propheten Muhammad und dritter Imam der Schia, figuriert in der alevitischen Literatur als Sinnbild des von Tyrannen hingemordeten reinen und schuldlosen Märtyrers. Durch vielfache Kontinuitätsbildung zwischen der Hinrichtung Husains und den als Martyria interpretierten Ereignissen aus der jüngsten Geschichte – wie dem Massenmord an alevitischen Intellektuellen im osttürkischen Sivas 1993 – kommt es bei den Aleviten zu Reinterpretationen der traditionellen Märtyrerfigur Husains, die bis zu seiner Stilisierung zum Vorkämpfer moderner Kategorien wie Menschenrechte und Aufklärung reichen. Damit wird die Kontinuitätslinie auch in den säkularen Bereich hinein verlängert.

Märtyrerkonzepte im Zionismus (Helen Przibilla)
Das Teilprojekt untersuchte eine andere Spielart der Eintragung des ursprünglich religiösen Märtyrerdiskurses in Rhetorik und Symbolik einer säkularen Bewegung. Mit der Zeit der Makkabäer (2.–1. Jahrhundert v. Chr.) ist der Typus des aktiv gegen ungerechte Fremdherrschaft kämpfenden Märtyrers assoziiert. Dieser wird in der jüdischen Moderne im Bild des ›wehrhaften Juden‹ revitalisiert, der in der Tradition der Makkabäer gegen einen als Tyrannen empfundenen Feind und für die nationalen Rechte des jüdischen Volkes kämpft. In ähnlicher Weise wirkungsmächtig ist der Massenselbstmord der von den Römern in der Festung Masada eingeschlossenen Juden (73 n. Chr.). Beide Figurationen sind von den Anfängen der jüdischen Nationalbewegung um 1900 bis in Darstellungen des Märtyrers in der Gegenwart des Staates Israel lebendig und haben die jüdische Nationalliteratur und -symbolik nachhaltig geprägt.

Märtyrer im barocken Trauerspiel, mit besonderer Berücksichtigung der orientalischen Schauplätze (Sabine Berthold)
Das barocke Interesse am Märtyrer entfaltet sich vor dem Hintergrund der Konfessions- und Türkenkriege des 16. und 17. Jahrhunderts. Das barocke Trauerspiel wird so zu einem Schauplatz, auf dem (religions-)geschichtliche Konflikte ausgetragen und historische Erfahrung in heilsgeschichtliche Deutung transformiert werden. Neben dem Antagonismus zwischen Katholiken und Protestanten sedimentiert sich in den barocken Dramen aber auch die Auseinandersetzung zwischen Christentum und Islam, die in  der antagonistischen Figurenkonstellation von Märtyrer und Tyrann dramatisch zur Schau gestellt wird. Dabei werden Narrative eines »Orientalismus avant la lettre« sichtbar, die sich beispielsweise in den türkischen Schauspielen Lohensteins oder den Dramen des schlesischen Barockdichters Andreas Gryphius zeigen.

Das Nachleben traditioneller Märtyrerkulturen in der Gegenwart

Projektphase 2009-2014

Die zweite Projektphase beschäftigt sich mit dem Nachleben traditioneller Märtyrerkulturen in der Gegenwart. Die prominente Rolle, die Märtyrer gegenwärtig in Konflikten im Nahen Osten spielen, wird aus europäischer Perspektive häufig als Rückfall in vormoderne Konzepte oder Ausdruck eines unveränderlichen Islams beschrieben. Doch weder in den säkularisierten Gesellschaften (West-)Europas, deren Prägung durch religiöse Konzepte in den letzten Jahren (wieder) verstärkt Aufmerksamkeit erfahren hat, noch in den säkularen Bewegungen im Nahen Osten war der Märtyrer verschwunden. Vielmehr lebte er in nationalistischen, sozialistischen, zionistischen und anderen Spielarten stets fort. Selbst dort, wo Märtyrer dezidiert unter Rückgriff auf die Überlieferung als ›islamisch‹ figuriert werden, hat die Rezeption moderner Ideologien Spuren hinterlassen und die überlieferten Konzepte transformiert.


Teilprojekte:

Zur Ablehnung des militanten Dschihad und Transformation des Märtyrertypus im Baha’itum
(Sasha Dehghani)
Das Teilprojekt untersucht im Anschluss an das Teilprojekt II der ersten Phase den gänzlich gewaltlosen Märtyrertypus der Baha’i-Religion, der dem Märtyrerkonzept des antiken Christentums näher steht als dem der gegenwärtigen Zwölferschia. Da das Martyrium im Baha’i-Glauben außerhalb einer Verfolgungssituation undenkbar wäre, befasst sich dieser zweite Teil auch mit jener gegnerischen Sicht der Baha’i-Religion, welche die Verfolgung der Baha’is im islamischen Raum zu legitimieren sucht.

Re-Inszenierungen islamischer Traditionen in der Moderne: Auf dem Schlachtfeld der Märtyrer (Silvia Horsch)
Das Teilprojekt untersucht auf der Basis der Ergebnisse des Teilprojektes I der ersten Projektphase das Nachleben dieser Märtyrerfiguration in der Rezeption, Adaption und Umdeutung bei modernen islamistischen Autoren, in deren Selbstlegitimation der Anspruch, den ›ursprünglichen‹, normativen Islam zu vertreten, eine wichtige Rolle spielt.

Märtyrer auf der Bühne. Aufführung des Märtyrertums in Ta’ziya als ein schiitisches Theater-Ritual (Maryam Palizban)
Die Figur des Märtyrers in der schiitischen Tradition ist durch die Ereignisse des Jahres 680 n. Chr. in Karbala geprägt, als Hussein, der Enkel des Propheten Mohammad, mit seiner Familie und seinen Anhängern getötet wurde. Kurz danach wurde Husseins Schicksal und die Tradition der Trauerrituale um seinen Tod zu einem Hauptelement der Protestbewegungen in der ganzen islamischen Welt, besonders bei den nicht-arabischen Muslimen, die unter der Macht der damaligen Kalifen standen. Mit dem politischen Erfolg und der kulturellen Macht der Shi’a in den Safaviden-Ära (1501–1722) beginnt die Fiktionalisierung der Ereignisse von Karbala und die Transformation von einem Trauer-Opfer-Ritual in ein Theater-Ritual des Märtyrertums (Ta’ziya), das bis heute als zentrales öffentliches Ereignis in den islamischen Trauermonaten aufgeführt wird.
Die Popularität von Ta’ziya als volkskulturellem Phänomen ist ungebrochen, während sich die jeweiligen Herrschaftskulturen nur bedingt damit identifizierten. Nicht selten wurde Ta’ziya von den politischen Machthabern und dem Klerus verboten. Besonders bemerkenswert sind dabei die Märtyrer-Figuren und ihre Identität auf der Bühne. Neben den Charakteristika des Märtyrers in der schiitischen und insbesondere der iranischen Tradition, gilt es die Bedeutung des Märtyrertums zu untersuchen, wenn es auf der Bühne von einem Kollektiv und für ein Kollektiv dargestellt wird. Das Martyrium wird in Ta’ziya als ein performatives Phänomen gefasst, das mehr mit der kulturellen Präsenz des Märtyrers als mit der Behandlung auf textueller Ebene zu tun hat.

Märtyrer des Ersten Weltkrieges. Die »Wald«-Bewegung [Djangal] 1914–1921

Projektphase 2014–2015
Bearbeitung: Maryam Palizban

Der Erste Weltkrieg breitete sich weit über die Grenzen Europas aus. In Nahost wurden als Folge dieses Krieges die bis dahin begonnenen Demokratisierungsprozesse unterbrochen. Während dieser Zeit, aber auch schon vorher, wurden viele traditionelle politische und kulturelle Vorstellungen und Ideen sowohl verändert als auch neu konzipiert und erprobt.

Einer der prägnantesten Fälle ist die Djangal-Bewegung [Wald-Bewegung]: eine Aufstandsbewegung am Kaspischen Meer im Norden Irans, die sich zunächst gegen die russische und unmittelbar danach gegen die britische Armee richtete. Der Theologe Mirza Kutschak [Mīrzā Kūčik Ḵẖān] rief als ihr Anführer die unabhängige Iranische Sowjetrepublik aus. Die Mitglieder dieser Bewegung, die so genannten mit Schulter Out AJC V Pullover Cut Ausschnitt Ausschnitt und an Details Waldmänner, ließen sich Haar und Bart »bis zum Sieg« wachsen, sie wurde 1921 zerschlagen und verlor mit der Enthauptung Mirza Kutschaks ihre Leitfigur. Das selbst gewählte Martyrium dieser Epoche begrenzte sich nicht nur auf einheimische oder muslimische Mitglieder, sondern schloss auch desertierte ehemalige deutsche und österreichische Soldaten ein, die sich dieser Bewegung angeschlossen hatten. Niemals zuvor waren nationalistische, islamische, schiitische und sozialistische Märtyrerkulturen so eng miteinander verbunden wie in der Djangal-Bewegung.

Das Projekt untersucht die spezifische Veränderung der Märtyrerkultur im Ersten Weltkrieg anhand der Ausformung und Ausbreitung dieser Bewegung. Es setzt sich mit Texten und Bildern dieser Zeit und dieser Bewegung auseinander, erforscht ihre Grundmuster, die bis in die gegenwärtige Märtyrerkultur der schiitischen, insbesondere der iranischen, Kultur wirken.

Abb. li: Ḥaydar Ḵẖān ʿAmu-oḡli
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Abb. re: Mīrzā Kūčik Ḵẖān und Waldmänner

Publikationen

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Veranstaltungen

Medienecho

06.04.2012
Märtyrer: leidenschaftlich bis in den Tod

Radiointerview mit Sigrid Weigel (Fragen: Kirsten Dietrich), in: Inforadio RBB, Sendung: Babylon vom 06.04.2012, 09:44 Uhr, 14:50 min

15.05.2011
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Sigrid Weigel im Gespräch mit Birgid Becker zum Thema 'Märtyrer/Bin Laden', in: Deutschlandfunk, Sendung: Information und Musik vom 15.05.2011, 7.05 Uhr

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27.10.2007
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Das Christentum beansprucht das Urheberrecht auf die Figur des Märtyrers. Artikel von Sigrid Weigel, in: Tagesspiegel vom 27.10.2007

02.05.2007
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Emilia Galotti: Was Lessings Kritik der Gewalt mit der Lage der Literaturwissenschaften zu tun hat. Artikel von Sigrid Weigel, in: Tagesspiegel vom 02.05.2007, S.24

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AJC Ausschnitt Out Schulter an Ausschnitt Cut V Details mit Pullover und Eine Arbeitstagung am Zentrum für Literatur- und Kulturforschung über Märtyrer-Figuren.Radiobeitrag von Bettina Mittelstraß, in: Deutschlandfunk, Sendung Studiozeit. Aus Kultur- und Sozialwissenschaften vom 08.03.2007, 20:25 Uhr

03.03.2007
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Wissenschaftler diskutieren über Märtyrerbegriffe. Radiobeitrag von Gerald Beyrodt, in: Deutschlandradio Kultur, Sendung: Fazit vom 03.03.2007, 23:34 Uhr

Beiträge

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Klassiker meets Cut-outs: Der melierte AJC-Pullover kombiniert V-Ausschnitt mit Aussparungen an den dezent 眉berschnittenen Schulterpartien. Die Strickqualit盲t mit Baumwollanteil zeichnet sich durch ihren weichen Griff aus. Besonders an k眉hleren Tagen ist der figurumspielende leicht ausgestellte Strickpulli das ideale Wohlf眉hlteil. Er zeigt sich als idealer Begleiter zu schmal geschnittenen Hosen und Stiefeletten. Den neu interpretierten Pullover von AJC muss man einfach lieben denn er erweist sich als supervielseitig und stylisch zugleich!
Material & Produktdetails
Materialzusammensetzung Obermaterial: 53% Baumwolle (unterst眉tzt Cotton made in Africa) 30% Polyacryl 12% Polyester 5% Elasthan
Optik meliert
Stil casual
Ausschnitt tiefer V-Ausschnitt
脛rmel Langarm
脛rmelabschluss Rippb眉ndchen
Rumpfabschluss Rippb眉ndchen
Passform figurumspielend
Schnittform L盲nge h眉ftlang
Besondere Merkmale mit Cut-Out-Details an Schulter und Ausschnitt
R眉ckenl盲nge In Gr. 36/38 (S) ca. 64 cm
Auslieferung liegend